Schwörmontag
von Winfried Dahmen

Sechzehn Jahre der Verwüstung, des Raubs,
des Mordens sind dahin gezogen,
in trüben Massen gäret noch die Welt
und keine Friedensordnung naht von fern.

Liebe Moselweißerinnen und Moselweißer, liebe Gäste !

Mit diesem kurzen Auszug aus dem Prolog aus Friedrich Schillers Wallenstein  - Trilogie möchte ich sie herzlich begrüßen.
Der Dichter beschreibt hier die schrecklichen Drangsal, denen die Menschen des 30jährigen Krieges ausgesetzt waren.

Besonders auch Koblenz wurde in den 30iger Jahren des 17. Jahrhunderts von kaiserlichen, schwedischen und französischen Truppen abwechselnd eingenommen.

Die wirtschaftlichen Schäden, vor a11em aber die Bevölkerungsverluste waren erschreckend hoch.
Gegen Ende dieses schrecklichen Krieges gab es vielerorts überhaupt keine eigentliche Kampflinie und keine reguläre Armee mehr. Entwurzelte Söldner, Landsknechte aus
aller Herren Länder und Marodeure schlossen sich zu Banden zusammen um zu rauben und zu p1ündern.

Es waren gottlose verworfene Gestalten, die weder vor Mord noch Brandstiftung Halt machten. Im Koblenzer Stadtwald hatte eine solche Bande ein festes Lager errichtet,
die heute noch so genannte „Schwedenschanze“. Von hier aus drangsalierten sie die Bewohner der anliegenden 0rte Lay, Gü1s und Weis.

Das Leben der wenigen Bauern war seit langem unerträglich geworden. Das Vieh war von den Weiden gestohlen, Ackerbau war nicht mehr mög1ich, weil sich kein Bauer
mehr aus dem bebauten Ortsbereich wagte, Felder und Flur waren verödet.
Die Bewohner der drei 0rte berieten schon 1ange, wie sie dieser Geißel, die wie ein Damoklesschwert über ihnen hing entgegen wirken könnten.

Dabei muss man bedenken, dass sie sich im Falle eines Kampfes gut ausgebildeten und kampferprobten Landsknechten gegenübersahen, die zudem über eine
überlegene Waffentechnik  verfügten.
Lange schon hatten sie diese Drangsal erduldet.

Der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, war der Angriff auf 2 Layer Frauen, die beim Holzsammeln von den Schweden überfallen und verschleppt wurden.

Dieses Ereignis verbreitete sich schnell in den drei Dörfern und man war sich einig, schnell zu handeln.

0b der Schlachtruf "Lewer duud, als ewich die Nuut ! " tatsächlich damals entstanden ist oder von der nachfolgenden Generation so kolportiert wurde, mag dahin stehen.
Er bezeichnete auf jeden Fall genau die damalige Stimmungslage der Bewohner von Lay, Güls und Weis.

Was jetzt geschieht,. meine Damen und Herren, ist allen Moselweißern meiner Generation aus den Erzählungen des Lehrers Heinrich Schneider in guter Erinnerung.
Wenn er es erzählte glaubten seine Schüler er sei tatsächlich dabei gewesen und hät selbst den Dreschflegel geschwungen. Die Bauern der drei Dörfer rüsteten sich mit umgeschmiedeten Sensen, Sicheln und anderem Gerät und bildeten eine Art „Bürgerwehr“. Jetzt wartete man nur noch auf einen geeigneten Zeitpunkt zum Zuschlagen.

Der ergab sich, nachdem wohl Layer Spione ausgekundschaftet hatten, dass die Bande in der Nacht zum Montag nach Dreifaltigkeit einen Überfall auf Moselweiß,
das damals Weise hieß, planten. Der Weg, den die Marodeure nehmen würden war bekannt: Er führte von der Schwedenschanze über den heutigen Moselhöhenweg
über den Burgweg hinab ins Tal.

In dieser Nacht sammelten sich die Bauern an der Weiser Kisselpforte und zogen in aller Heimlichkeit den Berg hinauf. Sie besetzten den schmalen Pfad nach der
Gemarkungsseite hin.
Die anrückenden Schweden wurden von dem Angriff völlig überrascht.

Es war eine dunkle Neumondnacht und die Schweden kannten weder Art noch Zahl ihrer Angreifer und waren diesen vor a11em hinsichtlich der Ge1ändekenntnisse
unterlegen.
Nachdem ihnen ein Ausweichen in die freie Mark nicht mög1ich war, weil die Bauern diese Seite besetzt hielten, blieb ihnen nur die Seite zu den Hängen der Mosel
über den Weinbergen. Nach mündlicher Überlieferung tobte der Kampf stundenlang. und als der neue Tag begann war kaum noch einer der Marodeure am Leben.

In ihrem Zorn hatten die Layer, Gülser und Weiser Bauern fast alle Marodeure massakriert.

In Windeseile verbreitete sich diese frohe Nachricht in den drei Dörfern.
Was tut man dort bei einem frohen Ereignis bis heute ?
Man feiert !
Und auch damals wurde trotz aller Not und Armut ein Freudenfest gefeiert.

Dieser Brauch des Feierns am Montag nach Dreikönige hat sich über viele Generationen in den drei Dörfern erhalten, bis er gegen Ende des 19 . Jahrhunderts
in Vergessenheit geriet.
Es ist das Verdienst des bereits erwähnten Lehrers Heinrich Schneider, dass dieser Tag wieder ins Bewusstsein der Moselweißer gerufen wurde.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat es auf seine Initiative erstmals wieder eine Schwörmontagsfeier der Moselweißer Bauern und Winzer (damals hatten
wir noch mehr) im damaligen Weinhaus "Zur Traube" gegeben.

Der Schwörmontag selbst ist nicht aus diesem Kampf der Weiser gegen die Schweden entstanden.
Er hat ältere Wurzeln.
Bereits in alter Zeit wurden an dem Montag nach Ephiphanias Schöffen und Beamte vereidigt („geschworen").
Auch wurde an diesem Tag "Das Baugeding" (Gericht) gehalten.

In neuerer Zeit hat sich auch der Bauern- und Winzerverband dieser Tradition angenommen.

Anmerkung:
Das Baugeding war eine, für das Dorfleben  bedeutsame Einrichtung. Es kommt aus dem germanischen Sprachgebrauch und bedeutet: "Versammlung", die von höchster Stelle, dem Landrichter als Verteter des Landesfürsten einberufen wurde. Zur Teilnahme waren alle Untertanen unter Strafandrohung verpflichtet






Flat rate internet